Rat der Gemeinden und Regionen Europas
 

Ludwigsburger Erklärung

Wir, Vertreter deutscher, französischer und polnischer Kommunen und Partnerschaftsorganisationen,

  • heben den großartigen Beitrag hervor, den die kommunalen Partnerschaften in den vergangenen Jahrzehnten für die Überwindung von Feindschaft und Misstrauen und für die Verständigung zwischen den Menschen geleistet haben. Aus der ersten deutsch-französischen Partnerschaft zwischen den Städten Ludwigsburg und Montbéliard vor 50 Jahren ist heute eine breite Bewegung von über 2.000 kommunalen Partnerschaften geworden. Dazu sind zahlreiche Kooperationen mit Gemeinden, Städten und Kreisen anderer Staaten getreten, insbesondere auch in Mittel- und Osteuropa.
  • stellen fest, dass nicht zuletzt die kommunalen Partnerschaften eine solide Vertrauensgrundlage für die deutsch-französische Aussöhnung, Freundschaft und Kooperation in den vergangenen 50 Jahren geschaffen haben.
  • sehen in den kommunalen Partnerschaften mehr denn je Bausteine für ein Europa der Bürger. Europa ist mehr als eine Wirtschafts- und Währungsunion. Es muss auch auf politischem und gesellschaftlichem Gebiet zusammenwachsen und die Bürger stärker als bisher einbeziehen. Kommunale Partnerschaften mit ihren Begegnungen, Austauschprogrammen und Projekten sind dafür ein hervorragendes Instrument. Sie können dieses Europa für die Menschen konkret erfahrbar machen und bieten Möglichkeiten, sich aktiv für die europäische Einigung einzusetzen.
  • fordern die nationalen und europäischen Verantwortlichen auf, diesen Beitrag der Kommunen zu würdigen, ihre Erfahrung beim weiteren Aufbau Europas stärker als bisher einzubeziehen und die transnationalen Kooperationen der Gebietskörperschaften weiter zu fördern.
  • nehmen zur Kenntnis, dass mit dem wirtschaftlichen und sozialen Wandel und der Öffnung Europas neue Aufgaben und neue Tätigkeitsfelder für die kommunalen Partnerschaften erwachsen. Dies gilt insbesondere für die verstärkte Einbeziehung mittel- und osteuropäischer Gemeinden, die eine neue Herausforderung für die Partnerschaftsarbeit darstellt. Die deutsch- französischen Erfahrungen können für die Partnerschaften mit den Gemeinden anderer Staaten fruchtbar gemacht werden. Die auf dem Kongress vorgestellten Partnerschaften mit polnischen Kommunen zeigen darüber hinaus, wie sehr sie neue Impulse bringen und die Partnerschaftsarbeit bereichern können.
  • erklären unseren Willen, unsere Partnerschaften weiter zu pflegen und sie lebendig zu erhalten. Dazu wollen wir die Partnerschaftsarbeit auf neue Aufgaben einstellen, auch neue Wege wagen und die Initiative von Bürgern, Schulen, Vereinen und Organisationen fördern und ermutigen. Lebendige Partnerschaften leben vom bürgerschaftlichen Engagement. Die auf dem Kongress vorgestellten Beispiele aktiver, lebendiger Partnerschaften zeugen von dem großen Reichtum an Ideen und Initiativen, der auch Anregungen für unsere eigene Arbeit gebracht hat.
  • wollen den Erfahrungsaustausch auch bei den schwierigen Themen, die unsere Kommunen beschäftigen, vorantreiben und uns bei der Suche nach Lösungen auch von den Erfahrungen des Partners leiten lassen. Das "Lernen vom Nachbarn" kann eine große Bereicherung für unsere kommunalpolitische Praxis darstellen und unseren Blick für die Vielfalt Europas öffnen.
  • erklären unsere Bereitschaft, vor allem auch junge Menschen noch mehr als bisher in die Partnerschaftsarbeit einzubeziehen. Entsprechende Austauschprogramme, Praktikantenmöglichkeiten und andere Angebote können zur Mobilität und zur Motivation der Jugendlichen beitragen.
  • verpflichten uns, alles in unserer Verantwortung Stehende zu tun, damit in unseren Kommunen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung keinen Platz haben. Wir wollen dagegen positive Beispiele für das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen verschiedener Nationalität, Sprache und Religion in unseren Gemeinden setzen.
  • rufen die Regierungen, die Politiker und die Schulen in Frankreich und Deutschland auf, dem Erlernen der Sprache des Nachbarn noch mehr Aufmerksamkeit als bisher zu widmen. Dies ist die Grundlage für gegenseitiges Verständnis, interkulturelles Lernen und die Entdeckung anderer europäischer Lebensarten.

Europas Einheit setzt das Europa der Bürger voraus. Wir sind bereit, an diesem ehrgeizigen Ziel mitzuwirken. Gerade deshalb wollen wir unsere Partnerschaften weiter entwickeln und für neue Ideen und Aktivitäten öffnen.

 
 
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