Rat der Gemeinden und Regionen Europas
 

Rede des Bonner Oberbürgermeisters Jürgen Nimptsch

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrter Herr Juppé, Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des nordrhein-westfälischen Landtages, liebe Vertreterinnen und Vertreter der Deutsch-Französischen Zusammenarbeit, meine sehr geehrten Damen und Herren,

L’amitié entre la France et l’Allemagne nous tient à cœur.

So wie den Menschen, die bereits Ende der 40er und in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spürten, dass sich nun nach langer, langer Feindschaft endlich etwas ändern müsse, grundlegend ändern müsse. Es waren Bürgerinnen und Bürger, die dies in direktem Kontakt mit den Nachbarn im anderen Land leben wollten, die Begegnungen organisierten und es waren Vertreter der Wirtschaft, die Handel, Zusammenarbeit und Austausch organisierten. Dieses Engagement in der Gesellschaft machte es möglich, dass die beiden großen Staatsmänner der Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Aussöhnung Hoffnung geben konnten, als der französische Staatspräsidenten Charles de Gaulle im September 1962 in Bonn von der Treppe des Bonner Rathauses Tausenden von Menschen zurief "Es lebe Bonn, es lebe Deutschland, es lebe die deutsch-französische Freundschaft!". Er löste eine Welle des Jubels und der Begeisterung aus, und es kam wenige Monate später zur Unterzeichnung des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Damit wurde das Fundament gelegt für eine Freundschaft, die bis heute einzigartig ist in ihrer Vielfalt und Intensität.

Une amitié qui assure la paix en Europe à long terme et qui me donne le privilège d’appartenir à la première génération de ma famille qui vit dans la paix et d’entretenir une amitié dont nous célébrons ses 50 (cinquante) ans d’existence avec cette "année dédiée à la France"....amitié qui est devenue le point de départ de l’Union européenne.

Auch heute ist diese Freundschaft nicht nur ein Konstrukt, sondern sie lebt und atmet – durch die vielen Menschen und Organisationen, durch deren Engagement sie wächst und gedeiht.

Ich will zwei Beispiele nennen:
Ein Beispiel dafür, wie Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich gelebt wird, sind die Partnerschaften auf kommunaler und bürgerschaftlicher Ebene.

Je suis très heureux d’accueillir aujourd’hui des représentants des jumelages de villes de France et de d’Allemagne réunis ici à Bonn à l’occasion de la conférence annuelle de la Commission franco-allemande du CCRE. Je souhaite très cordialement la bienvenue également aux membres de la Fédération des Associations Franco-Allemandes pour l’Europe VDFG-FAFA qui tient son congrès annuel à Bonn également dans le cadre de l’Année de la France.

Rat und Vereinigung tragen mit ihrem Engagement kontinuierlich zur Pflege und Förderung der deutsch-französischen Beziehungen bei.

Ein zweites Beispiel betrifft die Zusammenarbeit in einem Bereich, in dem unsere beiden Länder Zukunft gestalten – der Wissenschaft. Die in Bonn ansässige Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG und ihr französisches Pendant haben vor einigen Jahren eine Vereinbarung getroffen, "la promotion par la DFG et l´ANR de projets de recherche communs".

Depuis le premier appel à projets, le programme a trouvé un large écho auprès des communautés scientifiques francaise et allemande. La "vision 2020", qui définit l’horizon à atteindre pour résoudre le probleme de la fragmentation du dispositf de recherche européen a été adoptée en decembre 2008. Aujourd’hui, les universités, les organismes de recherche et les entreprises des deux pays coopèrent ainsi dans plus de 2600 projets.

Wie vielfältig und lebendig Freundschaft sich ausdrücken kann, hat in Bonn und in der Region unser "Frankreichjahr" gezeigt. Zahlreiche Institutionen, Organisationen, Stiftungen, Schulen, Vereine und Initiativen aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis haben sich mit Engagement und Freude, mit Aktionen und Veranstaltungen in die Gestaltung dieses besonderen Jubiläums eingebracht. Das ganze Jahr über fanden    Ausstellungen, Diskussionen, Konzerte, Lesungen, Sport- und Schulfeste, Begegnungsreisen und vieles mehr statt. Und ich bin begeistert, welch eindrucksvolles und facettenreiches Bild der deutsch-französischen Beziehungen sich in unserer Stadt und unserer Region zeichnete.

Allen, die dazu beigetragen haben, möchte ich an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für dieses wirklich großartige und oft genug ehrenamtliche Engagement danken.

Cela montre que les liens qui unissent Français et Allemands sont très étroits et leur tiennent à cœur.

Es sind die Menschen, die in den letzten 50 Jahren unser Zusammenwachsen ermöglicht haben, das letztlich auch zum Wachsen des größeren Hauses Europa geführt hat. Deutschland und Frankreich haben sich auch stets als Antriebskräfte für die europäische Einigung verstanden. Allerdings hat es über 1000 Jahre gedauert, bis aus dem ersten Gipfeltreffen eines deutschen und französischen Staatsoberhauptes eine dauerhafte Freundschaft werden konnte – Heinrich I und Karl III standen sich in der Auseinandersetzung um das Erbe Karls des Großen im November 921 mit ihren Armeen in Beuel und Bonn gegenüber und schlossen den "Vertrag von Bonn". Würde er heute noch gelten, so säßen wir alle jetzt auf französischem Boden. Allein die Geschichte verlief anders.

Nous tous, chacun et chacune à sa place, dans nos organisations, à notre travail et par notre engagement, nous ne cesserons de raviver et de nourir  cet enthousiasme pour l’Europe et pour la coopération franco-allemande et de les transporter vers les autres.

Jacques Santer hat es in diesem Raum vor einigen Jahren auf den Punkt gebracht: "Menschen brauchen ein Projekt, das sie mobilisiert!". Und die deutsch-französische Freundschaft, das Miteinander in Europa, sollten stets ein solches "Projet mobilisateur" bleiben!

Über unser aller Engagement hinaus ist es aber auch wichtig, dass die deutsch-französische Freundschaft von den Spitzen unserer Staaten mitgetragen und nach außen getragen wird. Im letzten Jahr im September waren 50 Jahre nach dem Besuch von Präsident de Gaulle der französische Außenminister Laurent Fabius und sein deutscher Amtskollege Guido Westerwelle in unserem Alten Rathaus zu Gast.  Und heute bin ich froh und dankbar, dass Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, uns heute die Ehre gegeben haben.

Ihre Teilnahme an dieser Festveranstaltung verstehe ich auch als besondere Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements für ein vereintes Europa – ein Europa, das Millionen Menschen Frieden, Freiheit und Wohlstand beschert hat. Im Namen aller Beteiligten danke ich Ihnen daher sehr herzlich für Ihr Kommen. Ebenso herzlich danke ich unserem Ehrengast aus Frankreich, der als Freund und Unterstützer der deutsch-französischen Zusammenarbeit vielfältig wirkte und wirkt. Sehr geehrter Herr Juppé, Sie haben in Ihrem Leben bereits viele hohe politische Ämter bekleidet und sind heute hier als Präsident der französischen Sektion des Rates der Gemeinden und Regionen Europas. Ich freue mich sehr, Sie heute hier im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages begrüßen zu dürfen – einem Ort, der für fünf Jahrzehnte parlamentarische Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland und damit für die gelungene Integration in den Westen und die Versöhnung mit dem Osten steht. Und natürlich basiert auch unsere Demokratie auf den drei Worten, die in Paris in Stein gemeißelt wurden: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" – "Liberté, Egalité, Fraternité!" Und damit schließt sich der Kreis zu unserem großen Bonner Sohn Beethoven, seiner 9. Symphonie und den wundervollen Worten, die Friedrich von Schiller dazu fand. "Alle Menschen werden Brüder!".

Das ist die Botschaft der deutsch-französischen Freundschaft. Ich wünsche mir, dass wir alle diese Botschaft aus dieser Festveranstaltung mitnehmen und sie weitertragen. Es lebe die Freundschaft – vive l’amitié! 

 
 
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